100526 ECCC19 Staffel4x10026.05.19 - Tampere, die derzeit angesagte In-Metropole des Nordens, war Austragungsort des diesjährigen Europacups der Landesmeister der Leichtathletik. Die Schweiz war vertreten durch die LV Winterthur bei den Frauen und die LG Bern bei den Männern. Der besondere Charme der Stadt vermochte sich an diesem dritten Maiwochenende den angereisten Sportlern nicht vollends zu erschliessen. Der Himmel wolkenverhangen, die Temperaturen winterlich, Wasserpfützen in der Grösse kleiner Seen wo auch immer man hintrat, vermittelten ein tristes Bild. Auch das farbenfrohe und eindrückliche Leichtathletikstadion konnten nicht die inspirierende Kulisse für die Sommersportart Leichtathletik herbeizuzaubern. Der einwandfrei organisierte Anlass bot trotz alledem viele spannende Wettkämpfe und zahlreiche erinnerungswürdige Momente. In allen Laufdisziplinen mit 100 Disziplinstarts schafften nur 8 Athleten persönliche Bestleistungen, drei davon mit sehr schwachen Leistungen, eher Lückenbüsser als Punktesammler.

Mit Blick auf das starke Teilnehmerfeld mit zahlreichen Finalisten internationaler Grossanlässe erschien der von der Teamleitung angestrebte fünfte Schlussrang sehr ambitiös. Der Blick auf das Schlussklassement bewies letztlich dann doch, dass die Zielsetzung realistisch war. Die LG Bern wurde Sechste, nur mal gerade 1.5 Punkte hinter der fünftklassierten serbischen Mannschaft und zwölf Punkte vor dem italienischen Team. Link zu den Ranglisten.

Von Disziplin zu Disziplin

Hammer: Das Feld der Hammerwerfer, selten das Tummelfeld der Nachwuchsleute bereicherte die LG Bern mit einer Hammerwerferlegende, der gut und gerne Vater des Siegers hätte sein können. Daniel Glauser, in grosser Wettkampflaune erlaubte sich vor seinem ersten Wurf einen engagierten Steigerungslauf. Das ernüchternde Ergebnis davon, eine Wadenzerrung. Trotzdem stelle sich der stämmige Berner in den Ring, um festzustellen, dass 33.93m eventuell gar drei Punkte sichern könnten. Im letzten Durchgang steigerte sich der Serbe und überholte mit 35.57m den Berner. Pech Nummer 1 im Kampf um den fünfte Schlussrang.

400m Hürden: Auf der Rundbahn als erster musste ein U20 Teamneuling an den Start. Die 400m Hürden, bei diesen Bedingungen eine zusätzliche anspruchsvolle Disziplin wurde von Simon Gerber bestritten. Er startete sein Rennen auffällig verhalten und war dadurch gezwungen, die Hürden mit dem auch bei ihm doch geringfügig schwächeren Bein anzugehen. Ein Grund, weshalb er in der ersten Rennhälfte nie seine Möglichkeiten optimal einbringen konnte. Eingangs Zielgerade hatte er dann alles im Griff und er zeigte einmal mehr, welch starker Finisher er ist. Eine eindrückliche Zielgerade! Seine Zeit , 57.17 Sek., wird nicht lange als diesjährige Bestzeit bestehen bleiben.

100526 ECCC19 HendrikEngel800m: Über 800m starte dieses Jahr Hendrik Engel für die LG Bern. Im Vorfeld zeigte ein Blick auf die Gegner, dass eine gute Klassierung nicht selbstverständlich sein würde. Er lief ein taktisch kluges Rennen, indem er sich auf die dieses Jahr bereits klar Besseren einstellte und aus einer guten Ausgangslage auf der Zielgeraden mit 1.53.01 den schönen dritten Rang erlaufen konnte. Zwischen Rang zwei und sechs war einzig die taktische Positionierung eingangs Zielgerade für über Rangierung entscheidend. Hendrik war an diesem Tag der geschickte Taktiker.  

200m: Über 200m klassierte sich Silvan Lutz mit 22.31 Sekunden auf dem dritten Serienrang. Die zweite Serie war dann etwas schneller unterwegs. Silvan gab in Tampere seinen Saisoneinstieg. Er erlitt vor dreieinhalb Wochen eine leichte Muskelverletzung. Seine Vorbereitung war entsprechend vorsichtig und es galt bei diesem ersten Start die Devise, nicht an die Leistungsgrenzen zu gehen. Unter diesen Bedingungen war Silvan mit seinem Auftritt und seinem Ergebnis zufrieden und erleichtert durfte er feststellen: die Saison kann beginnen! Besonders die letzten 50 Meter zeigten, dass er durchaus für schnelle Zeiten bereit ist. 

400m: Neu im Team der LG Bern startete Luca Flück über 400m. Er gewann seine Serie in für diese Verhältnisse gute 48.36 Sekunden. Auf dem knallharten Mondobelag, bei 25° sich angenehmer anfühlend als bei 12°, lief Luca locker wirkende erste 200 Meter. Alles wirkte leicht und stimmig. In der Kurve machten die Gegner Druck. Die Antwort von Luca war eindrucksvoll. Er powerte immer ein bisschen mehr als die Gegner. Er war der Herr des Rennens, auch wenn im Ziel der Vorsprung auf den Zweitklassierten Iren gerade mal 4/100 betrug. 

100m: Timo Castrini wurde als Vertreter der Schweizer Mannschaft ins Kurzsprintrennen geschickt. Er war im Vorfeld des Anlasses eine Woche krank und das merkte man ihm an. Als Sänger hätte er noch weniger überzeugen können, auch nicht als Bass, obwohl das derzeit seine Stimmlage ist. Sein erster Start gelang gut, er fand sofort ins Rennen. Leider wurde die Serie zurückgepfiffen. Beim zweiten Versuch war die Startreaktion gut, der Rest darf und wird er rasch vergessen. Auch 1.3 Meter Gegenwind trösten nicht über wenig Punkte und die schwache Zeit. Die Teamleitung schaute mit Sorgenfalten auf Timos Staffeleinsatz. 

3000m Steeple: Auch Alain Croisier, der Vertreter der LG Bern über 3000m Steeple stellte bei der Durchsicht des Teilnehmerfeldes fest, dass für eine gute Klassierung eine starke Leistung nötig sein würde. Er hatte vielleicht etwas zu grossen Respekt, denn im Ziel hatte man den Verdacht, er hätte dem Zweitklassierten höchstwahrscheinlich Paroli bieten können. Das Rennen begann ganz speziell. Alain ging die erste Runde forsch an, niemand wollte mitgehen, so liess sich Alain wieder ins Feld zurückfallen, während gleichzeitig der spätere Sieger in Führung ging und seinen Vorsprung auf die Verfolger sukzessive ausbaute. Alain wusste um die Bedeutung einer guten Klassierung und fand einen sehr guten Mix zwischen Mut und Vernunft. Sein vierter Rang war deutlich mehr wert als seine 9.43.81. 

5000m: Lukas Marti absolvierte seine zwölfeinhalb Bahnrunden mit hoher Fokussierung auf eine gute Rangierung. Bei den sehr starken Gegnern ist es nicht einfach, sich im Feld zu positionieren. Gehst du mit, kannst du am Schluss teuer dafür büssen. Er lieferte sich in der zweiten Rennhälfte ein spannendes Duell mit dem Irländer, der allerdings zeitweise in einem etwas Stopp an Go Modus lief. Zwei Runden vor Schluss wurde das dem Berner Langstreckenspezialisten zu bunt und er vermochte dem Irländer um 4 Sekunden zu enteilen. 14.49.57 sind für die Verhältnisse und in einer Meisterschaft gelaufen eine gute, der vierte Schlussrang eine sehr gute Leistung.  

Weitsprung: Albion Dautaj, ein verlässlicher Springer der LG und GG Bern fand sich mit den Bedingungen nicht gut zurecht. Sein Saisonstieg ist mit 6.54m resultatmässig durchaus ansprechend. Er hätte sich aber mehr zugetraut, zeigte dies bei seinem vierten, aber ungültigen Sprung auch. Er wurde Neunter hätte mit etwas mehr Wettkampfglück durchaus auch sechster werden können. Die Springer an der Spitze des Feldes zeigten gute Sprünge, allerdings auch nicht auf der Höhe ihrer Bestleistungen. 

110m Hürden: Brahian Pena lief in der zweiten Serie. Die Bestzeit der ersten Serie war 15.20 Sek. keine wirklich überzeugende Zeit. Er startete in Tampere in die Saison 2019, entsprechend wollte er etwas vorsichtig ins Rennen starten. Das tat er mit der Konsequenz, dass bei der zweitletzten Hürde der starke Serbe Milan Ristik leicht vor ihm war. Das gefiel dem Schweizer World Class Potential nicht, er gab Gas und vermochte sich im Ziel um einige Tausenstel vor den Serben zu positionieren. Er selbst sah sich cool als deutlicher Sieger. Die Zeit der beiden war 14.21 Sekunden, der Gegenwind 0.8 Sekunden, der Ärger beim Serben gross, die Freude beim Schweizer verhalten. 

100526 ECCC19 RetoRamseier1500m: Reto Ramseier, vor Wochenfrist bereits sehr stark, wollte mit Blick auf die Gegner ein schnelles Rennen. Er bemühte sich erfolgreich dafür. Er beschleunigte 350m vor dem Ziel nochmals, damit lancierte er die Gegner optimal. Er selbst konnte dann auf den letzten sechzig Meter die Spitze nicht mehr behaupten. Der Verfolgte büsste für sein aktives Rennen. Weder sein sechster Rang noch seine 1.55.61 wären Grund zu Unzufriedenheit. Höchstens die Tatsache, den Gegnern den Steigbügel für eine gute Zielgerade gehalten zu haben. Ein hervorragendes Rennen mit einem einzigen nicht ganz glücklichen taktischen Entscheid sind wertvolle Erkenntnisse für die begonnene Saison. Letztlich sei noch zu bemerken, dass nur Päpste und Reto bei Ankunft den Boden küssen. 

4x100m: Verlief der Wettkampf insgesamt eher stimmungslos, war bei den Staffelrennen plötzlich die vermisste Stimmung im Stadion. Sowohl bei den Frauen wie auch bei den Männern waren die Positionen vor den Staffeln noch nicht vergeben. Die LG Bern hat tradtionellerweise gute Staffelsprinter. Brahian Pena starte fulminant, der Wechsel zu Timo Castrini war auf hohem Niveau, genauso die Gegengerade von Timo. Jetzt zeigte er sein Talent und sein Sprintqualitäten. Der zweite Wechsel zum begabten Kurvensprinter Ralf Kurath war ebenfalls einwandfrei. Ralf kann sich in der Kurve sehr gut positionieren und er liebt es, mit den Gegnern zu fighten. Die Schlussgerade wurde von Luca Flück besetzt. Dieser dritte Wechsel glückte nicht ganz, was wohl den zweiten Schlussrang «kostete». Luca gab auf der Zielgeraden alles, das Duell mit dem Irländer Keith Pike ging nur ganz knapp verloren. Der dritte Rang brachte wertvolle Punkte. 

100526 ECCC19 4x400mTeam4x400m: Etwas übertrieben könnte man berichten, bei der 4x400m Staffel wäre die Hölle los gewesen. Es wurde wahrlich laut im Stadion. Die LG Ben war leider in der zweiten Serie eingeteilt. Die erste Serie war stärker und die viertklassierte Mannschaft war nur zwei Zehntel schneller als die LG Bern. Schlussläufer Silvan Lutz hätte beim Direktduell wohl die Lücke noch schliessen können. Die Startrunde übernahm Luca Flück in seinem dritten Einsatz an diesem Tage. Woher nimmt dieser Junge die Kraft und Power nach einem harten Einzelvierer, und dreissig Minuten der Kurzstaffel nochmals derart überzeugend aufzutreten. Nach seiner guten Runde schickte Luca Nick Stalder ins Rennen. Dieser positionierte sich mit einem klug dosierten Rennstart auf der Gegengeraden an der Spitze. Aufgrund seines Trainingsrückstandes wäre zu erwarten gewesen, dass er etwas einbrechen würde. Das tat er nicht, er vermochte gar auf der Zielgeraden nochmals zuzusetzen. Stark! Die dritte Ablösung lief Ralf Kurath ebenfalls im Stile eines Routiniers. Kämpferisch überragend, technisch einwandfrei und vor allem schnell genug, sodass Silvan Lutz im Rennen blieb. Der 400m Spezialist bewies dann auf seiner Schlussrunde seine grosse Klasse. Ein für den Saisoneinstieg höchst bemerkenswert solides Rennen, technisch überzeugend mit ganz starken letzten sechzig Metern. 

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