190530 Auffahrsmeeting Langenthal SinaSprecher30.05.19 - Es war ein Frühlingstag ihn sich die Leichtathleten wünschen. Auch wenn im Vorfeld die klimatischen Bedingungen nach wie vor nicht leistungsfördernd waren, an diesem Auffahrts-Donnerstag hätten die Bedingungen nicht besser sein können. Wenig Wind und äusserst angenehme Temperaturen boten beste Voraussetzungen für erste Wettkampfakzente. Nicht alle TVL Athletinnen und Athleten waren bereits bereit, die guten Bedingungen zu nutzen.

Bild: Sina Sprecher während des 600m-Laufs

Die Doppelstarter

Der TV Länggasse Bern stellte zwei Doppelstarter, die in Langenthal für Aufsehen sorgten. Allen voran der TVL-Neuling Luca Flück. Er ging wie auch Sina Sprecher zuerst über 600m an den Start und 50 Minuten später über 300m. Sein Ausflug in die Domäne der Mittelstreckler wurde zu einem der Hingucker des Tages. Der Sprinter Flück wollte seiner Zunft alle Ehre, er ging  diesen Lauf im Stile eines Sprinters an. Da können die Mittelstreckenspezialisten schlicht nicht mitgehen. Das sollten sie gemäss den Zuschauern auf der gut besetzten Tribüne auch nicht. „Das kann nicht gutgehen!“, war die einhellige Meinung aller, auch der Fachleute. Die ersten 200 Meter in einer 23er Zeit, die 400m in +/- 49.50. Die Konkurrenz zwischenzeitlich 15 Meter zurück. 150 Meter vor dem Ziel gelangte Robin Oester in einer vehementen Aufholjagd beinahe den Kontakt zu Flück herzustellen. So leicht wollte dieser die Führung aber nicht abgeben. Wider alle Prognosen und zum Erstaunen des ganzen Stadions hielt Luca noch immer ein hohes Tempo. Auf den letzten 50 Metern konnte er gar den Vorsprung wieder leicht vergrössern. Ungeschickt war einzig seine Neugierde. Ein Blick auf die Uhr mit der laufenden Zeit kostete das Gleichgewicht und Luca stürzte quasi ins Ziel. Nicht der Erschöpfung nur dem Blick auf die Anzeigetafel geschuldet. 1.18.66, persönliche Bestzeit, Schweizer Saisonbestleistung und ein Interview mit der Berner Zeitung waren die Konsequenzen. In den letzten fünf Jahren war in der Schweiz nur Hugo Santacruz, ebenfalls einst ein guter 400m Sprinter schneller als Luca Flück am 30. Mai 2019. Eigentlich hätte sich Luca im anschliessenden 300er mühsam in Ziel kämpfen müssen. Die Beine waren noch schwer, der Atem kaum normalisiert, die Sturzwunden nur kurz gepflegt. Dann diese 300er Serie. Alle, ausser Silvan Lutz, die derzeit über diese Distanz herausragend sind, waren die Gegner für Luca. Ja, er wurde Letzter dieser Hammerserie aber in immer noch hervorragenden 34.02 Sek., seiner fünftbesten je gelaufenen Zeit. Ein Kraftakt! Eine Randbemerkung: 10 Athleten starteten über 600m in dieser ersten, starken Serie, acht davon liefen persönliche Bestzeiten, dank Lucas horrendem Tempo. 

Sina Sprecher hatte in ihrem 600er Lauf etwas zu wenig Mut um auch bei den Frauen den Sieg über 600m zu holen. Sina ist wie Luca ebenfalls deutlich schneller als die meisten ihrer Konkurrentinnen. Sie gestaltete dieses Rennen aber im Stile einer Mittelstrecklerin, der einzige Grund der eine noch bessere Zeit und den Sieg verhindert hat. In der stärksten Serie waren ausser der Siegerin, Melina Andorra (Stade Genève) niemand auf dem Niveau von Sina. Die starke persönliche Bestzeit von 1.32.46 und die Gewissheit, es könnte noch schneller gehen, werden ihr für die kommenden Rennen Sicherheit geben. Über 300m wurde Sina Sprecher in die dritte Serie eingeteilt, wo sie keine würdigen Gegnerinnen fand. Mit deutlichem Vorsprung gewann sie diese Serie in 40.97 Sek.. Auch über diese Distanz hatte man den Eindruck, sie hätte eigentlich noch deutlich schneller laufen können, eben sprinten, was sie wie wenige Mittelstrecklerinnen auch kann. Würde sie wieder über 300m an den Start gehen, würde sie wohl in die Serie mit den Sprintspezialistinnen eingeteilt und sie würde damit auch würdige Gegnerinnen vorfinden. 

Kiflay Mengestabestarte in Langenthal ebenfalls über 600m, eigentlich eine zu kurze Distanz für ihn. In seiner dritten Serie wurde das Tempo ständig variiert. Nicht an der Spitze aber bei den Verfolgern dahinter. Das machte die Sache für Kiflay nicht einfach. Er musste sich ständig neu orientieren und Gänge schalten. Trotzdem und erfreulich, er erzielte mit 1.28.45 eine persönliche Bestzeit.

Die Nachwuchssprinter und Sprinterinnen nutzten das Auffahrtsmeeting für Aufbaurennen. Keiner konnte dabei besondere Akzente setzen

Nick Stalderin der vierten Serie laufend wurde einzig von einem Rafael Pedro Peixoto aus Mendrisio geschlagen. Er lief auf den letzten 50 Metern ein starkes, davor ein zu wenig „schnelles“ Rennen. Es kann derzeit aus dem Tiefstart nicht genügend kraftvoll auf ein hohes Tempo zu beschleunigen. In der Staffel, bei Hochstart gelingt es ihm rasch auf Tempo zu kommen. Damit kann auch bei gutem Finish  keine Spitzenzeit erreicht werden, eher 36.73 Sek. Dasselbe gilt auch für Simon Gerber, der in der dritten Serie mit 36.96 Sek. gestoppt wurde. Das Anfangstempo erlaubt schlicht nicht, auch bei guter Zielgerade herausragende Zeiten zu laufen. Allerdings ist zu vermerkten, dass sowohl Simon wie auch Nick wegen längeren Verletzungen im Wintertraining noch deutliche Trainingsrückstände haben. Sie werden sie in den nächsten Wochen dank Wettkampfeinsätzen aufholen können. Moritz Stuker, der am vergangenen Wochenende mit einem ganz starken Lauf über 400m Hürden überraschte (57.19 Sek) war bei seinem zweiten 300er diese Saison mit 37.01 Sek. nur unwesentlich weniger schnell als bei seinem Debüt vor drei Wochen. Er viel durch seine feinen Laufstil auf, aber auch er erreichte nie das gewünschte hohe Tempo und auch er könnte eine solches gut ins Ziel bringen. Wertvolle hohe Laufintensitäten waren es allemal und damit Investitionen für die kommenden Einsätze.  

Bei den Frauen ging in der dritten Serie die U18 Athletin Anna Rotteran den Start. Nach guter Beschleunigung gelang es nicht, sich an die Spitze der zu grossen Teil gleichwertigen Gegnerinnen zu setzen. Etwas verhalten schien der Lauf bis eingangs Zielgerade. Anna merkte, dass sie bestens mithalten konnte. Sie nahm die Herausforderung an und fightete mit den Gegnerinnen bis ins Ziel. 43.75 und eine persönliche Bestzeit war der Lohn dafür. Die Ränge zwei bis fünf trennten nur 2/10. 

Marlen Schmid nutzte das Meeting für ihren Saisoneinstieg und ging im Weitsprung an den Start. Dass noch wenig zusammenpasst, war offensichtlich. Das Tempo im Anlauf war noch nicht vorhanden und das Timing auf dem Balken nicht optimal. Die 5.10m sind somit auch nur eine kurze Erwähnung wert und wir freuen uns auf den SVM vom Samstag, an dem Marlen einen Sprung-Doppelstart im Weit und Drei machen wird.

Eine neue Saisonbestleistung sprang Sarah Gerber im Dreisprungwettkampf und gewann diesen in beachtlichen 10.80m . Dabie sei erwähnt, dass diese Weite im 6. Versuch und deutlich hinter dem Balken gesprungen wurde. Powerfull, dynamisch, angriffig war der Anlauf und der Hop, etwas zu plump dann Step und Jump. Weiten jenseits der 11m Marke müssten in Zukunft zum Standard werden.

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